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07/14/17

Reisebericht zur Herrenfahrt 2017 des Casseler Kanu-Clubs (CKC)

Lange wurde nachgedacht, bevor die Strecke für die diesjährige Herrenfahrt feststand. Für den 10er-Canadier muss es schon ein größerer Fluss sein. Die Wahl fiel schließlich auf die Elbe, obwohl die vorgesehene Strecke bereits vor Jahren einmal gefahren worden ist.


Wieder dabei war die Crew der letzten Jahre (von vorn nach hinten):

  • Klaus und Karl-Otto, die Schlagmänner vorn links und rechts,
  • Manfred, der Smutje,
  • Gerd, der Gastpaddler und Brötchenmann,
  • Holger, der Tour-Organisator,
  • Bernd, der Müllbeauftragte,
  • Volker, der Schiffsführer und Steuermann.

Freitag, 16. Juni 2017:
Eine weite Fahrt bis nach Dresden liegt vor uns. Um 11:00 Uhr starten wir mit Holgers Bus und dem Anhänger, auf dem das Boot und unser Reisegepäck verstaut sind, am Bootshaus des CKC. Noch schnell ein Foto, und dann geht’s los! Über die Autobahnen 7, 38 und 14 kommen wir zügig voran. Den ersten Stau erleben wir am Stadtrand von Dresden, können ihn aber elegant umfahren. Gegen 15:30 Uhr erreichen wir das Gelände des Vereins Kanusport Dresden e.V. in der Tolkewitzer Str. 79 im Dresdner Stadtteil Blasewitz. Schnell sind die Zelte aufgebaut, bevor wir die glückliche Ankunft mit einem zünftigen Bier im angrenzenden Biergarten begießen. Am Abend spazieren wir am Elbufer entlang auf derSuche nach einem Speiselokal. Vor uns sehen wir das „Blaue Wunder“. Diese 1893 aus Schmiedeeisen errichtete 280 m lange Brücke ist eines der Wahrzeichen Dresdens. Wir kehren im „Schillergarten“ ein – und draußen regnet es in Strömen. Kein Problem, denn wir haben ein Dach über dem Kopf. Beim Rückweg ist es wieder trocken und nach einem Plausch am Lagerfeuer mit netten Lehrerinnen, die mit ihren Klassen zu einer Erlebnisfahrt aus der Nähe von Bonn angereist sind, kehrt die Nachtruhe ein.


Samstag, 17. Juni 2017:
Die Zelte bleiben stehen; wir verladen lediglich das Boot und das Tagesgepäck. Holger bringt uns nach Schmilka nahe der tschechischen Grenze. Bei km 4 setzen wir das Boot ein. Holger fährt heute nicht mit, sondern bringt das Auto und den Anhänger nach Magdeburg. Wir werden ihn erst abends wiedersehen, wenn er mit dem Zug nach Dresden zurückgekehrt ist. Vor uns liegt eigentlich der schönste Abschnitt der Elbe, aber das Wetter vermiest uns schon die Stimmung. Wir haben mit heftigem Gegenwind und hohen Wellen zu kämpfen. Die starke Strömung hilft uns dabei kaum weiter. So quälen wir uns durchs Elbsandsteingebirge.


Dabei passieren wir Bad Schandau, Königstein mit der imposanten Festung auf einem hohen Felsplateau, den Kurort Rathen und zahlreiche bizarre Felsformationen, von denen die viel besuchte Bastei die bekannteste ist. Einige der historischen in Dresden beheimateten Schaufelraddampfer sind unterwegs und kündigen sich schon von Weitem mit lautem Tuten an. Bei Wehlen zwingt uns eines der größeren modernen Schiffe (Gräfin von Cosel) zu einem kleinen Ausweichmanöver, weil wir die anstehende Wende auf der ganzen Breite des Flusses nicht gleich erkannt haben. Aber alles gutgegangen - wir sind schließlich routinierte Paddler. Die Mittagsverpflegung reicht uns Manfred wie gewohnt aus dem Alu-Koffer: Butterbrote mit einem Stück Wurst oder Käse auf die Hand. Dazu ein Radler gegen den Durst und vitaminreiche Paprikastreifen für die Gesundheit. Danach paddeln wir verbissen weiter. Schleusen, die eine Gelegenheit zum Ausruhen bieten könnten, gibt es nicht. Sich einfach mal mit der Strömung treiben zu lassen, funktioniert wegen des Gegenwindes auch nicht. Groß ist die Freude, als Schloss Pillnitz auftaucht, die Sommerresidenz der sächsischen Könige. Nun ist unser erstes Tagesziel nicht mehr weit.


Ziemlich geschlaucht erreichen wir nach 44 km gegen 17:00 Uhr das Vereinsgelände des Kanusports Dresden (km 48,3). Jeder hofft, dass die kommenden Tage nicht sobeschwerlich sein werden.


Abendessen gibt’s im „Elbstüb’l“. Matjesfilets, andere leckere Gericht und ein Wirt mit lockerem Mundwerk muntern uns wieder auf. Danach haben wir uns einen erholsamen Schlaf verdient – aber das war wohl nix! Auf dem Vereinsgelände wird ein 50. Geburtstag gefeiert, der zunächst noch ganz moderat beginnt. Aber ab 23:00 Uhr wird derart laute Partymusik aufgedreht, dass die weitere Umgebung und auch das andere Elbufer mühelos
mitbeschallt werden. Eine Intervention von Volker beim Geburtstagskind bleibt vergeblich, so dass wir den Lärm bis etwa 2:00 Uhr ertragen müssen. Ärgerlich!

Sonntag, 18. Juni 2017:
Wie schon am Vortag ist Gerd, der Brötchenmann, meilenweit (genauer gesagt 4 km hin und zurück) unterwegs, um seine Gefährten zum Frühstück mit leckerem Backwerk zu versorgen. Heute scheint die Sonne und die Elbe fließt ruhig dahin – Paddlerherz, was willst du mehr! Um 8:45 Uhr legen wir ab, denn mit 59 km bis Riesa liegt die Königsetappe vor uns. Zunächst unterqueren wir das „Blaue Wunder“, das sich beim näheren Hinsehen nicht unbedingt in der Farbe „Blau“, sondern eher „grau-grün“ darstellt. Rechts am steilen Hang grüßen die drei Elbschlösser, protzige Bauten in bester Lage, die ein Preußenprinz bzw. reiche Unternehmer Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut haben. Wir fahren unter der Waldschlösschenbrücke hindurch, wegen der Dresden den Status als UNESCO-Welterbe verloren hat. Für uns unverständlich angesichts der Ästhetik dieser Brücke und des Abstandes zur historischen Altstadt. Dann gleiten wir in der Morgensonne durch das Zentrum Dresdens. Rechts befinden sich Ministerien und der sächsische Landtag. Links reiht sich das weltberühmte Ensemble mit der wiederaufgebauten Frauenkirche, der Brühlschen Terrasse, dem Schloss und der Semperoper aneinander. Ein erhebender Anblick. Und am Ufer liegt die komplette Flotte der einzigartigen Raddampfer, qualmend und zur Abfahrt bereit. Das älteste Schiff ist übrigens die „Stadt Wehlen“, das 1879 in Dienst gestellt worden ist. Es dauert einige Zeit, bis wir die Stadt hinter uns lassen und die Natur am Ufer wieder überwiegt. Hin und wieder sind Weinberge mit kleinen idyllischen Häuschen zu sehen. Radebeul, die Heimatstadt des Reiseschriftstellers Karl May, ist zwar eine größere Stadt, vom Fluss aus jedoch kaum wahrzunehmen. Ein Hinweis ist lediglich ein Anleger für Fahrgastschiffe mit der Aufschrift „Radebeul“. Mit ordentlicher Strömung und ohne Gegenwind kommen wir gut voran. Bei Coswig/Kreis Meißen haben wir 26 km hinter uns gebracht und finden einen Steg, an dem wir zur Mittagspause festmachen können. Einige Kilometer weiter tauchen am linken Ufer der Meißener Dom und die mächtige Albrechtsburg auf. Natürlich wird bei der Vorbeifahrt eifrig fotografiert. Ein weiterer Hingucker ist bei km 96,0 Schloss Hirschstein, das am linken Ufer auf einem 25 m hohen Felssporn thront. Bei Nünchritz passieren wir die Kilometermarke „100“ und erreichen kurz danach gegen 16:45 Uhr bei km 107,1 den Anleger des Wassersportvereins Riesa. In der Nachmittagshitze bauen wir die Zelte auf, und nach einer erfrischenden Dusche folgt ein kleiner Stadtrundgang. Das Abendessen nehmen wir im „Grünen Herold“ ein, einem traditionellen familiengeführten Gasthaus. Der Ausklang dieses lauen Sommerabends findet am Bootshaus statt. Leckere sächsische Mädels mixen leckere Cocktails, die sie zum „Happy Hour-Preis“ von 3,90 € verkaufen. Stimmungsvolle Reggaemusik ist die passende Untermalung. So bleibt es nicht bei einem Cocktail. Die Sonne sinkt und die Stimmung steigt, bis die nötige Bettschwere erreicht ist.

Montag, 19. Juni 2017:
Nach dem Zeltabbau und dem Frühstück steigen wir um 9:00 Uhr immer noch beschwingt ins Boot. 48 km sind es bis zu unserem Tagesziel Torgau. Aber halt – bei Münchberg erreichen wir die Landesgrenze Sachsen/Brandenburg. Hier waren sich um 1880 die Sachsen und die Preußen bei der Elbvermessung nicht einig, so dass nach km 121 der km 121A eingefügt wurde. Also ist diese Etappe einen Kilometer länger, aber das schaffen wir schon. Heute gleiten wir durch eine sehr naturnahe Landschaft. Die Orte befinden sich in einiger Entfernung von der Elbe. Keine Eisenbahnlinie oder Straße stört die Ruhe am Fluss. Ein einziges Schiff kommt uns entgegen, ein Arbeitsschiff des WSA Dresden. Ansonsten ist uns erstaunlicherweise während der gesamten Tour kein Frachtschiff begegnet. Angesichts der Container- und Autotransportzüge, die wir auf der 1. Etappe durch das Elbsandsteingebirge gesehen haben, scheint der Frachtverkehr auf dem Fluss mit Tschechien weitgehend zum Erliegen gekommen zu sein. Außerdem wird der Verkehr sicherlich auch durch den derzeit niedrigen Wasserstand behindert. So muss Schiffsführer Volker lediglich auf die wenigen Motor- und Gierseilfähren auf der Strecke achten. Die Mittagspause ist an der Flussschleife bei Belgern geplant, aber der frühere Steg dort existiert nicht mehr. Einen Kilometer weiter entdecken wir jedoch eine flache Kiesbucht, in der wir problemlos anlegen können. Es folgt eine Phase des Treibenlassens, während der es sich alle auf dem Sonnendeck bequem machen, ein kleines Nickerchen halten oder ihren Gedanken nachhängen. Nur Volker muss aufpassen, dass wir nicht ans Ufer treiben. So erreichen wir Torgau. Zunächst kommen die Straßenbrücke und das mächtige Schloss Hartenfels in das Blickfeld.


Das Ausladen beim Kanu-Club Torgau (km 155,2) erweist sich als recht  mühsam, denn alles Gepäck muss mit Schubkarren die steile Uferböschung hinauf und dann noch eine kurze Strecke bis zum Vereinsgelände transportiert werden. Da trifft es sich gut, dass der Brötchenmann morgens Hefeteilchen mitgebracht hat, die die Paddler (mit Ausnahme von Manfred) mit großem Appetit verspeisen. Heute übernachten wir im Bootshaus, so dass wir uns den Zeltaufbau sparen und am nächsten Morgen alles zügig und trocken einladen können. Torgau erweist sich als überaus malerische Stadt mit vielen gut erhaltenen Renaissancehäusern. Wir essen in einem Biergarten direkt am Markt und nutzen eine der letzten Gelegenheiten, Spargel zu verspeisen. Der anschließende Stadtrundgang führt uns in den Hof von Schloss Hartenfels, gebaut im 15. und 16. Jahrhundert. Es handelt sich um das größte vollständig erhaltene Schloss der Frührenaissance Deutschlands. Die von Martin Luther persönlich geweihte Schlosskirche gilt als der erste protestantische Kirchenneubau der Welt. In der Nähe befindet sich der Brückenkopf der früheren Elbbrücke, die am Ende des 2. Weltkrieges von deutschen Truppen gesprengt worden ist. Die Gedenktafel erinnert daran, dass auf den Trümmern dieser Brücke am 25. April 1945 amerikanische und sowjetische Soldaten zusammentrafen. Eine Begegnung, die Eingang in die Geschichtsbücher fand.

Dienstag, 20. Juni 2017:
Wiederum bei blauem Himmel, Sonnenschein, ruhigem Wasser und dem entsprechend gut gelaunt beginnen wir die nächste Etappe. Die Elbe verläuft weiter in großen Bögen in nordwestlicher Richtung. Bei km 179 zwischen Greudritz und Pretzsch überqueren wir die Landesgrenze und fahren nach Sachsen-Anhalt hinein. Abgesehen von den Fähren, die Aufmerksamkeit erfordern, ist dies erneut ein ruhiger Tag. Wir beobachten die zahlreichen Reiher und Nilgänse. Sogar ein Fischadler, der sich am Ufer mit einer erbeuteten Maus beschäftigt, ist zu sehen. Bei km 198,5 mündet rechts die Schwarze Elster in die Elbe, der erste größere Nebenfluss auf unserer Tour. Bei km 200 erreichen wir den Ort Elster. Und dann sind es nur noch 600 m bis zum Kanuverein „Harmonie“ Elster. Die 45 Kilometer des heutigen Tages haben wir schnell abgespult, so dass nach der Ankunft genügend Zeit für einen Rundgang mit Einkehr in einem Café bleibt. Die Zelte brauchen wir nicht aufzubauen, denn wir können im Bootshaus übernachten. Das Abendessen nehmen wir in einem gemütlichen Gartenlokal ein. Besonders lecker ist die Forelle „Müllerin-Art“. Und an diesem Abend kommt erstmals das Kartenspiel „6 nimmt“ zum Einsatz.


Mittwoch, 21. Juni 2017:
Die heutige Etappe ist mit 35 km die kürzeste. Daher gönnen wir uns einige Ruhepausen und gleiten durch die einsame flache Landschaft. Ab Elster fließt die Elbe ziemlich geradeaus nach Westen. Nach 12 km erreichen wir die Lutherstadt Wittenberg. Außer zwei Kirchtürmen in einiger Entfernung ist jedoch von der Stadt nichts zu sehen. Am linken Ufer steht allerdings eine überlebensgroße knallrote Luther-Statue, die auf das Jubiläumsjahr hinweist (Vor 500 Jahren, am 31. Okt. 1517, veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und leitete damit die Reformation ein.). Nun geht es in großen Schleifen weiter, was bedeutet, dass der Wind mal von vorn, mal von der Seite und hin und wieder auch von hinten weht. Bei Griebo beginnt das „Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe“. Noch eine große Schleife um das Coswiger Luch herum und wir erreichen bei km 235,9 das Gelände des Kanuvereins Coswig/Anhalt. Sehr freundlich und hilfsbereit begrüßt uns dort ein Vereinsmitglied, das offensichtlich nach dem Genuss des einen oder anderen Bierchens an diesem Nachmittag in bester Stimmung ist. Schnell stehen wieder die Zelte. Manch einer hat große Wäsche. Bernd begeistert mit einer besonderen Konstruktion zum Trocknen, bestehend aus Wäscheleine, Paddel und Zelt. Holger und Gerd nutzen die Zeit für ein erfrischendes Bad in der Elbe. Abends fahren wir selbst einmal mit einer Gierseilfähre. Der Fährmann gibt uns interessante Auskünfte zur Funktionsweise der Fähre, zur Historie und zur Situation während der letzten großen Elbe-Hochwasserkatastrophen in den Jahren 2002 und 2013. Vom Coswiger Ufer geht es hinüber zur „Elbterrasse Wörlitz“, einem historischen Restaurant im Schweizer Landhausstil. Dort gibt es leckeres Essen. Auch das Schwarzbier ist nicht zu verachten. Nach dem Essen und der Rückfahrt mit der Fähre schließt sich ein kleiner Rundgang durch Coswig an. Das Schloss sieht leider nur aus einiger Entfernung malerisch aus. Von Nahem betrachtet sind viele marode Stellen zu entdecken. Das ganze Areal ist durch hässliche Bauzäune abgesperrt. Soviel sei zum Schloss angemerkt: Erbaut ab 1670. Bis 1827 Witwensitz des Anhaltinischen Fürstenhauses. Von 1872 bis 1957 als Zuchthaus genutzt. Danach Außenstelle des Staatsarchivs der DDR. Heute im Privatbesitz; möglicherweise Spekulationsobjekt. Traurig! Ansonsten ist das Stadtzentrum nett hergerichtet. Interessante Informationstafeln befinden sich an verschiedenen Stellen. Und wieder klingt der Abend mit Kartenspielen aus.

Donnerstag, 22. Juni 2017:
Heute Morgen steht Gerd, dem Brötchenmann, ein Fahrrad zur Verfügung. Somit bleibt ihm ein langer Fußmarsch erspart. Schon um 8:40 Uhr sind wir wieder auf dem Wasser. Nochmals ein Blick auf Coswig in der Morgensonne und dann hat uns die weitgehend unberührte Natur wieder. Kurz vor Rosslau verwirrt uns die Elbkilometrierung erneut. 500 m nach der Tafel mit der „250“ steht bereits das Schild mit der „252“ in Weiß auf schwarzem Grund. Was ist da nun wieder los? Im Internet ist nachzulesen, dass es 1933/34 eine Flussbegradigung gegeben hat, nach der die Elbe 1,5 km kürzer geworden ist. Nun gut, da haben wir den zusätzlichen Kilometer vom Montag wieder eingespart. Die Sonne brennt, so dass wir froh sind, nach Rosslau eine schattige Bucht für die Mittagspause zu finden. Langsam wird Manfreds Aluminiumkiste mit den Vorräten leer. Wir passieren die Mündung der Mulde und anschließend Dessau, ohne von der Stadt viel zu sehen. Bei Brambach legen wir beim Gasthof „Elbterrassen“ an und lassen es uns bei Kaffee, Kuchen und Eis gutgehen. Doch die Idylle währt nicht lange. Von Westen her türmen sich riesige Wolkenberge auf und in der Ferne beginnt es zu grummeln. Verbissen und kraftvoll paddeln wir die letzten acht Kilometer bis nach Aken. Dort hat bei km 276,4 der Köthener Kanuclub sein Domizil. Schnell wird das Boot entladen und das Gepäck ins Bootshaus geschafft. Nur Minuten später bricht das Unwetter los. Ein starker Sturm beugt die Bäume. Sintflutartiger Regen setzt ein. Es blitzt und donnert. Von der sicheren überdachten Terrasse aus sehen wir, wie der Wind das Wasser der Elbe peitscht. Da sind wir heilfroh, dass wir es rechtzeitig an Land geschafft haben. Das Unwetter zieht vorüber und wir können, ohne nass zu werden, in Aken einkaufen und bei einem netten Griechen im Ratskeller zu Abend essen. Auf dem Weg dorthin sehen wir überall dicke abgebrochene Äste und hören Feuerwehrsirenen. Aber uns geht’s gut – der griechische Wirt spendiert Ouzo und auch in dieser Nacht haben wir ein Dach über dem Kopf.


Freitag, 23. Juni 2017:
Der letzte Tag unserer Tour steht an: 46 Kilometer nach Magdeburg. Der blaue Himmel und der Sonnenschein der vorangegangenen Tage sind passé. Wir haben mit hohen Wellen und Gegenwind zu kämpfen. Zuvor serviert uns Manfred nochmals eine große Portion Rührei mit Speck, so dass wir gut gestärkt ins Boot steigen. Entlang beider Ufer befindet sich nun die Kernzone eines großen Naturschutzgebietes. Anlegen ist nur in den Ortschaften erlaubt. So kämpfen wir uns in nordwestlicher Richtung vorwärts. Gottseidank gibt es da die Leckerli-Tüte mit Süßigkeiten, mit der die starken Männer bei Laune gehalten werden. Und auch Manfred kann sich freuen, denn für ihn, der keine Süßigkeiten mag, ist am Vorabend extra ein Frikadellenbrötchen besorgt worden. Wir erreichen die Saalemündung und die Fähre bei Barby, beides bestens bekannt von unserer letztjährigen Tour auf Unstrut und Saale. Kurz nach dem Kilometerschild „300“ legen wir an und genießen unsere Mittags- bzw. Erholungspause. Weiter geht’s bei Schönebeck unter zwei großen Straßenbrücken hindurch und schließlich erreichen wir nach 46 anstrengenden Kilometern den kleinen Hafen, an dem sich der WSV Buckau-Fermersleben befindet (km 322,0). Beim Zeltaufbau beobachten uns zwei Störche, die auf einem nahe stehenden Baum sitzen und wenig Scheu zeigen. Heute sind wir froh, dass wir zum Abendessen nicht mehr weit laufen müssen, sondern in der auf dem Gelände befindlichen Gaststätte eine ordentliche Mahlzeit serviert bekommen. Das Bier und die Spielkarten sorgen letztmals für einen unterhaltsamen Abend.

Samstag, 24. Juni 2017:
Am Ende der Tour gehen der Zeltabbau, das Verstauen des Gepäcks sowie das Verladen des Bootes zügig vonstatten. Statt auf dem Wasser bewegen wir uns nun wieder auf der Autobahn und erreichen gegen 13:00 Uhr wieder das Gelände des CKC in Kassel an der Fulle. Manch einer wird schon sehnsüchtig erwartet.

Eine schöne Herrenfahrt ist zu Ende. Die Elbe ist weitgehend naturnah geblieben. Zwischen Usti (Aussig) in Tschechien und Geesthacht befindet sich keine einzige Schleuse. Der Strom fließt zunächst recht schnell durch das Elbsandsteingebirge mit seinen dramatischen Felsformationen und später eher gemächlich durch liebliche Landschaften und Auwälder. Die von uns gefahrene Strecke ist einfach nur ein wunderschönes Paddelrevier. Wir haben fünf Paddeltage bei Sonnenschein gehabt, zwei Tage mit Wellen und Gegenwind, sind aber kein einziges Mal nass geworden. Bei allen Kanuvereinen sind wir freundlich aufgenommen worden und haben unterwegs manch nettes und interessantes Gespräch mit den Gastgebern und auch anderen Paddlern geführt. Die Gesamtstrecke betrug 316,5 km; eine respektable Leistung für sieben Tage.

Fazit: Wieder eine gelungene Tour, auch dank der hervorragenden Organisation durch Holger (Route, Quartiere, Transport) und Manfred (Essen und Trinken).

 

Gerd Rewald