Der CKC-RSS-Feed (ckc-kassel.de/rss.xml) Der CKC bei Facebook (facebook.com) Der CKC bei Twitter (twitter.com) Version für mobile Endgeräte (mobile.ckc-kassel.de)

02/24/21

HKV – Jugendfahrt 1967

Dunkel ist es draußen.  Der Bus Motor singt sein gleichmäßiges brummendes Lied. Bis eben habe ich geschlafen und nun drücke ich die Nase an der Fensterscheibe platt. Stockdunkle Nacht ist draußen. Vor uns sehe ich in den Kurven die Rücklichter unseres Buses Nr. 1, in dem die andere Hälfte der ca. 70 Teilnehmer der diesjährigen HKV Jugendfahrt sitzt. 

Jetzt fahren wir durch einen Ort. Eine Straßenlaterne beleuchtet ein Schild: Alimentation. Aha wir sind also noch in Frankreich. Vor drei Wochen fuhren wir die gleiche Strecke, nur in umgekehrter Richtung. Lyon war damals der Endpunkt der Anreise, wo die Bootsfahrt beginnen sollte. Dort machten wir auch das erste Mal Bekanntschaft mit den steinharten französischen Camping-Plätzen. 2 Satz Heringe habe ich verbraucht, in drei Wochen. In Lyon trafen wir unsere vorausgeschickten Boote wieder.: 6 Mannschaftscanadier und ein Appel-Sechser. darin und in 5 auf den Busen mitgebrachten Einern würden die Mädels und Jungens aus Wiesbaden, Kelsterbach, Hanau, Limburg, Fulda, Mühlheim, Frankenberg, Melsungen und Kassel unter der Leitung von Rudi A l t die Rhone und damit ein Stück Frankreich erleben.  

Doch noch sind wir in Lyon. Eine Stadtrundfahrt in Begleitung einer jungen französischen Hostess gab uns einen kleinen Einblick in das Leben der zweitgrößten Stadt Frankreichs. Moderne Stadtteile, alte römische Theater, ein großzügig angelegter Stadtpark, ein ehrwürdiger Dom und eine kitschige Basilika hoch über Saone waren einige Stationen der Fahrt. 

An 19. August ist der erste Paddeltag. Das Gepäck nahmen die Busse an Bord, bis auf Kleinigkeiten die während der Fahrt benötigt werden. 

Gleich hinter Lyon haben wir die Möglichkeit eines der vier großen Stauwerke der Rhone kennenzulernen. Wir schleusen und erleben dann eine lange Kanalfahrt bis wir wieder in die Rhone kommen. Hier wird erstmal kräftig gebadet, Die Sonne scheint sehr heiß und ohne Hut und Hemd hätte bestimmt ein Sonnenbrand die Stimmung der nächsten Tage stark beeinträchtigt. 

Auf dem Campingplatz vor Condrien schlagen wir am Nachmittag die Zelte auf. Schön ist es hier. Rasen für die Zelte und die Rhone zum Baden. Auf allgemeinen Wunsch wird hier ein Ruhetag eingelegt, und auch die nächste Tagesstrecke nach Serrieres wird nur per Boot zurückgelegt, während die Zelte in Condrien bleiben. 

In Serrieres waren wir schon von der Zeitung angemeldet worden und zu unserem Empfang hatte sich der Gemeinderat, der Vertreter des abwesenden Bürgermeisters und der Leiter des Verkehrsvereins am Ufer eingefunden. Im Gemeindesaal werden wir anschließend mit Wein bewirtet, nachdem die offiziellen Reden und die Überreichung der Buchgeschenke vorüber waren. 

Am nächsten Tag erreichten wir Valence. Der Campingplatz fordert wieder seinen Tribut an Heringen, entschädigt uns aber durch eine deutschsprechende Platzwartin, worüber besonders die Nichtfranzösischsprechenden erfreut sind. 

Unser Lager bleibt hier zwei Tage. Der erste wurde mit Stadtbummel, faulenzen und kochen ausgefüllt. Eine Gruppe Frankenberger und Kasseler erstiegen im Schweiße ihres Angesichts die Ruinen des Chateau de Crussol, eine umfangreiche Burganlage des 11./12. Jahrhunderts. Die herrliche Aussicht auf das Rhonetal und Valence waren die Mühen wert. 

Tags darauf besuchten wir die Ardeche. Auf dem Wege dorthin stiegen wir in die Grotte du Marzal, eine 124 m tiefe Tropfsteinhöhle. Am berühmten Port d‘ Arc war Endstation. Baden, essen und fotografieren wurde groß geschrieben.  

Ich selbst staunte über die Veränderung die hier stattgefunden hat. 1960 waren hier etwa 20 Paddler anzutreffen. Jetzt ist hier ein richtiger Campingrummel mit Radiomusik und sonstigen Zivilisationsklüngel. Die Rückfahrt führte über die neue Straße am Canyonrand entlang. Überall Parkplätze, Leute die mit Ferngläsern in die Schlucht starren. Ade unberührte Ardeche, der Tourismus hat dich aufgefressen.  

Über Montelimar mit seinen vielen Nougatläden und Pont St. Esprit mit der alten Römerbrücke erreichten wir die alte Papststadt Avignon, nach meiner Meinung die schönste Stadt in Frankreich, aber ich kenne noch nicht viele. 

Unser Lager schlagen wir bei der Societe Nautique auf, wo wir gastliche Aufnahme fanden. Die beiden Ruhetage waren angefüllt mit Stadtbesichtigungen, Papstpalast, Pont St. Benezet, die alte Stadtmauer und das Leben in Avignon. Den meisten Anklang fanden aber in der Markthalle die Kisten mit Tintenfischen, Langusten, Muscheln und ähnlichen Delikatessen. Mit gemischten Gefühlen standen unsere Jungs davor und waren froh, dass heute Leber auf den Küchenzettel stand. 

In Arles schlagen wir die Zelte zum letzten Mal auf, genauer gesagt, bei Arles in Pont de Channet. Ein sauberer Campingplatz mit Rasen und Duschen, Laden und was der Der nächste Tag verging mit sight-seeing in Arles: Arena, Theater, Kloster und andere alte Gemäuer werden gebührend bewundert.  

Die letzte Paddeletappe von Arles auf der kleinen Rhone nach les stes Maries wurde in einem Tag bewältigt. Die Kräftigsten aus den 7 Canadiern wurden auf vier Canadier verteilt, die anderen drei Boote blieben in Arles. 62 km waren zu paddeln. Etwas müde kamen wir am Ziel an. Ein ausgedehntes Bad im Mittelmeer machte uns wieder fit. 

Per Lastwagen wurden die Canadier nach Arles gebracht und dort am nächsten Tage auf der Bahn verladen. Einen faulen Tag gönnten wir uns dann nochmal am Meer, wo einige Paddler und –innen die Carmarque per Pferd durchstreiften. 

Dann wurde das Lager abgebrochen und in die Busse verladen. Wie immer für Außenstehende ein Tohuwabohu.  

Und nun sind wir auf der Rückfahrt. Die Gedanken die eben noch in der Vergangenheit weilten, gleiten nun in die Zukunft. In Wiesbaden soll noch ein Abschlussabend sein. Mal sehen was uns da einfällt. Mittlerweile dämmert der Morgen und nacheinander werden alle wach die so mehr schlecht als recht geschlummert haben. 

Strasburg – Grenze – Wiesbaden; die Zeit vergeht. 

Der Abschlussabend verläuft sehr nett. Erstaunlich was  die Fahrtkameraden für Sketche und lustige Lieder können. 

Wir Nordhessen schlafen beim WKV und morgen wird uns der Bus über Frankenberg nach Kassel bringen, und dort ist unsere Fahrt dann endgültig zu ende.

 

Axel Kempken

 

 

Teilnehmer des CKC